1985 hat mein Vater hat die Handtasche meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt. Sie hat sie viel getragen. Einmal wurden wir auf Sizilien überfallen, ein Mann stellte sein Motorrad quer vor unseren Mietwagen, der andere riss die Autotür auf und griff nach der Tasche.
Meine Mutter ließ nicht los, sie zerrten hin und her, dann ließen sie von ihr ab und verschwanden. Ich erinnere mich, dass ihr Nagel eingerissen war und ein wenig blutete, doch sie war zufrieden damit, dass sie sich selbst behauptet hatte.
Später trennten sich meine Eltern, sie trug die Tasche weiter. Wie sagt man so schön: Liebe vergeht,
@louisvuitton besteht. Die Tasche rockte immer weiter runter, bis sie den Status der Hundeleckerlitasche bekam, die Riemen rissen und sie ein wenig nach verarmtem Adel aussah.
Da wurde sie dann für mich interessant, und ich hing meiner Mutter bei jedem Treffen in den Ohren, ob ich sie nicht haben könne – in der Familie nennen wir das „Waschbärenfinger“, und normalerweise macht das nur der kleine Waschbär bei mir, dass er mir die Sachen abschwatzt.
Doch dann hat meine Mutter mir die Tasche geschenkt, zu Weihnachten. MIt kaputten Halterungen und fehlendem Riemen, abgeliebt eben.
„Unrettbar“, hieß es im LV-Store in Hamburg, und auch im Glockenbach wollte kein Täschner die Reparatur übernehmen: „braucht man spezielle Geräte“.
Ein Täschner in Halle hat dann die Reparatur übernommen, 15 Euro. Dann hab ich sie
@anna_sofie_tuma übergeben, die alten Taschen ein neues Leben einhaucht. Seitdem ziert eine lockige Sphinx die Tasche, ich trage sie jeden Tag. Eines Tages geht sie an den kleinen Waschbären, doch bis dahin gehe ich mit einem kleinen Kunstwerk durch München.