Posted On: October 13th 2026, 02:02 pm
Diese Woche war ich früh morgens am Kloster St. Johannis in Eppendorf. Es liegt direkt an der Alster, etwas versteckt hinter Bäumen, und man läuft hier leicht vorbei, ohne zu ahnen, wie alt die Geschichte hinter diesen Mauern ist. Während ich am Ufer stand, zog ein Alsterdampfer vorbei, und das Licht kam gerade über die Bäume auf den Backstein.
Gegründet hat es 1246 Gräfin Heilwig von der Lippe, als Zisterzienserinnenkloster Herwardeshude oben an der Elbe. 1295 verlegten die Nonnen ihr Kloster an die Alster, und aus Herwardeshude wurde mit der Zeit der Name des ganzen Stadtteils, Harvestehude. 1530 zogen die Frauen in die Innenstadt, in das Gebäude des Dominikanerklosters St. Johannis, und daher hat das Stift seinen Namen bis heute. Nach der Reformation entstand daraus 1536 ein evangelisches Stift für unverheiratete Hamburger Bürgertöchter. Nach mehreren Umzügen durch die Stadt steht es seit 1914 hier an der Heilwigstraße, heute leben in den 69 Wohnungen alleinstehende Frauen über 60. Man sieht die Anlage deshalb am besten von außen.
Mein Lieblingsdetail kam erst beim Nachlesen: Harvest ist das plattdeutsche Wort für Herbst, so hat es der Hamburger Archivar Otto Beneke erklärt. Passender hätte mein Besuch kaum sein können, das Laub fängt gerade an, gelb zu werden, und dazwischen leuchtet der Backstein.
📍 Kloster St. Johannis, Heilwigstraße, Hamburg-Eppendorf