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2 years ago
Photo by CC on October 18, 2024.
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Posted On: October 18th 2024, 07:07 am
#Longcovid am Beispiel eines Tages.
Stell dir vor, du wachst morgens auf und bist total motiviert und inspiriert. Schade, denn du weißt, dass du dich bis nachmittags kognitiv und körperlich schonen musst, weil du da zur Uni willst. Lesen, oder Yoga fällt also schon mal raus. Videos schauen und Podcasts schauen geht aber. Langsam kommt die Nervosität. Kunigunde Klarinette kann dein Nervensystem ein bisschen beruhigen. Wenn auch nur für den Moment…
Der Weg zur Haltestelle (normalerweise 3 Minuten) dauert 15 Minuten bei einem Puls von mindestens 120 und das, obwohl du nur Kaffeebohnen läufst. Von der Haltestelle wirst du von einer ganz lieben Kommilitonin mit Rollstuhl abgeholt, die sogar noch ihre Schwester mitbringt, falls irgendwas mit dem Rolli nicht funktionieren sollte. 🥹
Fühlt sich seltsam an, aber du kannst es mit Humor nehmen. Im Sitzen ist der Puls dann „nur“ noch bei 117. Immerhin funktioniert der Fahrstuhl. 🥳
Du kommst in den Raum und bist die Komische mit Maske und Rollstuhl. Alle starren dich an… unangenehm…
Dein Gehirn macht heute super mit, sodass du sogar den ausgehändigten Text vollständig lesen und darüber diskutieren kannst. Nur nicht zu lange, denn das lässt die Kurzatmigkeit nicht zu. Sogar ein paar Notizen kannst du mit deiner leicht zitternden Hand noch machen. Es ist so ein unglaublich tolles Gefühl, mal wieder in einem Seminar zu sitzen und Uniluft zu schnuppern. Eine Viertelstunde vor Ende merkst du langsam, wie viel das eigentlich alles ist. Dein Puls war während der Stunde konstant bei über 100 und die Erschöpfung wird nun immer mehr. Folgen kannst du den Gesprächen nun nicht mehr und eigentlich weißt du nun auch, dass das alles zu viel war, aber was sollst du machen? Einfach im Seminarraum sitzen bleiben ist keine Option…
Von der Haltestelle schleppst du dich dann wieder zum Haus und die Treppen hoch. Du weißt, dass du bald crashen wirst. Es war einfach zu viel Stress und zu viel Bewegung. Und trotzdem hoffst du so sehr, dass du einfach nur erschöpft sein wirst. War es das wert?
Comments (2)
xyloceline 2 years ago

xyloceline

Die Panik klopft an und nun wird aus der Befürchtung Tatsache. Mit letzter Kraft machst du dir noch deine Wärmflasche und schleppst dich dann ins Bett. Und da liegst du dann für 1 1/2h und kannst dich nicht mehr bewegen. Jap, wirklich gar nicht. Nicht mal umdrehen… Deine Arme brennen und kribbeln und dein Gehirn erträgt keine Reize mehr. So als würden die nervigsten Geräusche der Welt (Kreide an der Tafel, schreiende Babys, ein lautes Klassenzimmer, Baustellenlärm…) auf einmal auf dich einprasseln, obwohl um dich herum alles ruhig ist. Dein „Ruhe“puls ist bei 95 und will einfach nicht weiter runter gehen. (Normal sind 60-80). Nach den 1 1/2h schaffst du es nochmal aufzustehen und die Migränemaske aus dem Kühlschrank zu holen. Der crash klingt langsam ab und zurück bleiben Traurigkeit über die Gesamtsituation, Wut über die Karens dieser Welt, die einem sinnlos Steine in den ohnehin schon steilen Berghang werfen und die Hoffnung, dass es bald wieder besser wird. Ich will einfach nur glücklich über eine Blumenwiese hüpfen. 🥹 Danke an alle, die mich mit Gedanken, Worten und Taten unterstützen. Wenn ich im crash liege, denke ich an euch und fühle mich weniger allein. ❤️‍🩹

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