5 months ago„Jeder Moment ist Ewigkeit“ (S. 184) 📷 Und solche Ewigkeitsmomente bzw. Lebenssekunden, versucht Angelika mit ihrer Kamera einzufangen. Fotografieren ist schon früh ihre Leidenschaft und sie weiß, dass sie Fotografin werden will. Als ihre beste Freundin bei der Detonation einer Bombe ums Leben kommt und Angelika das Foto des Unglücks in der Zeitung sieht, festigt sich ihr Wunsch. Sie will es anders machen, besser. Emotionen so einfangen, dass sie berühren, nicht verstören. Parallel dazu versucht Christina in der DDR den Traum ihrer Mutter zu erfüllen und eine glänzende Karriere als Kunstturnerin hinzulegen. Zweifel an diesem Lebensweg trainiert sie eisetn weg, bis sie auf den westdeutschen Sportler Thomas trifft. Katharina Fuchs fängt in ihrem Roman „Lebenssekunden“ äußerst stimmungsvoll das Leben zweier jungen Mädchen ein, die unterschiedlicher nicht sein können. Angelika lässt sich gerne treiben, erscheint teilweise etwas sehr naiv und genießt als Tochter einer Künstlerfamilie in der BRD viele Freiheiten. Christina kontrastiert mit einem Leben, das vom Sport und den Idealen der DDR bestimmt wird. Jegliche Abweichung, jegliche Individualität wird direkt bestraft. Mir persönlich gefiel die Geschichte von Christina besser. Sie besitzt mehr Dynamik und Spannung, gewiss auch bedingt durch den politischen Rahmen. Fuchs versteht es, stimmungsvolle Szenen zu schreiben, die einen in die Geschichte ziehen. Vor allem der Anfang des Romans war stark. Ich mag ihren Schreibstil. Er besitzt eine gewisse Leichtigkeit, man fliegt nur so durch die Seiten. Leider verlieren sich ihre Handlungen allerdings immer wieder. Ein paar Seiten weniger hätten dem Roman gut getan, denn oft hatte ich den Eindruck, dass einige Kapitel nur als Füller fungieren. Die Handlung schleppt sich teilweise voran, um am Ende dann einen Parforceritt hinzulegen. Dazu gehört auch, dass Angelika plötzlich ihren Löwenmut entdeckt, während sie sonst eher Marke Mauerblümchen ist. Insgesamt ein (sprachlich) gelungen Roman, mit einigen Längen.
