Posted On: August 12th 2026, 04:15 pm
Der Blumenumzug
…und dann war das Licht weg. Immer war es dagewesen, ganz egal, wie oft sich die Jahresuhr auch gedreht hatte. Manchmal mehr, manchmal weniger, wenn die Tage kürzer und kälter wurden. Aber jetzt war es einfach – weg. Ob das das mit dem Dröhnen zu tun hatte? Mit dem Rumpeln und Krachen? Dem Staub und dem Gestank, der die kleine Brache für Wochen eingehüllt hatte? Die Brache, die neben dem alten Haus lag, in dem schon lange niemand mehr lebte.Auf der die Kaninchen in ihren Löchern wohnten und dicke Käfer sich zwischen den Blättern versteckten.
Auch die Kaninchen waren nicht mehr da. Wahrscheinlich umgezogen. Dorthin, wo es noch Licht gab. Praktisch, wenn man Beine hat. Noch praktischer, wenn man damit so schnell flitzen kann wie ein Kaninchen – und blöd, dass Pflanzen keine Beine haben. Auf Wurzeln lässt es sich schlecht hoppeln und schon gar nicht flitzen oder gar brummend davon-schwirren wie ein dicker Käfer.
Aber dann bebte die Erde wieder. Nicht so stark wie in den letzten Wochen. Auch Staub und Gestank fehlten. Dafür Stimmen, Füßetrappeln – zwei Füße. Nicht vier wie die Kaninchen oder sechs wie die dicken Käfer. Ein komisches Gefühl folgte auf da Beben. Vielleicht können Pflanzen doch fliegen? Oder zumindest fahren? Auf quietschenden Rädern, zwischen Holzgeruch und Kekskrümeln. Vielleicht – wenn jene helfen, die wissen, dass wir auch unsere Städte nur teilen.
…und dann war das Licht wieder da. Und braune Erde für die Wurzeln und Kaninchen und dicke Käfer und ab und zu ein Regenguss. Aus den Wolken oder der Kanne, wenn die Sonne zu sehr strahlte.
Text von Florian Stary. Inspiriert durch die Zeichnung.
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