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4 months ago
Zu Regina Schillings Film über Ingeborg Bachmann

Ich liebe das Lesen, aber ich bin in keine "Literaturkennerin." Ich habe (leider) weder Vergleichende Literaturwissenschaften studiert noch sonstwas in der Art. 

Das war einer der Gründe, weswegen ich mich lange nicht an Ingeborg Bachmann herangetraut habe. Ich wollte mich nicht "dumm" fühlen, also mied ich sie. 

Irgendwann aber griff ich bei Bekannten ins Regal und zog einen Lyrikband von ihr heraus. Ich bin durch meinen Vater mit Gedichten und Balladen aufgewachsen. Ingeborg Bachmann war nicht Teil seines Kanons; wer ihre Lyrik, ihre Erzählungen – und meinen Vater – kennt, den wird das nicht wundern. 

Ich las mein erstes Bachmann Gedicht also im Stehen und musste mich danach erstmal setzen. Denn ich verstand zwar erst einmal: NICHTS. Aber mein Körper verstand ALLES. Ich bekam Herzklopfen von der Wirkung der Worte, als es mir gelang, meine Scham auszuschalten und ihre Sprache auf mich wirken zu lassen. 
Seitdem habe ich mich tastend durch ihr Schreiben bewegt und kann langsam ermessen, warum sie so eine ungeheure Bedeutung hat. Vor allem hat sie inzwischen für MICH eine ungeheure Bedeutung, manchmal habe ich das Gefühl, in ihrem Körper und mit ihren Augen durchs Leben zu gehen.

Jetzt war ich in Regina Schillers Kino-Dokumentarfilm über sie – und war wirklich überwältigt davon und natürlich wie immer von Sandra Hüller. Von Anfang an macht der Film klar, dass hier niemand, auch nicht Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann "spielt". Vielmehr wird sie von Sandra Hüller VERKÖRPERT – ja, das ist das richtige Wort. Sie erkundet Ingeborg Bachmann, im Innen und Außen, und es ist einfach absolut großartig, wie Regina Schilling ihr die Bühne dafür bereitet hat.

Es ist hilfreich vorher nochmal schnell ein bisschen Biografisches aufzufrischen, weil der Film vieles nur andeutet, vorraussetzt. 

Aber wer ein GEFÜHL dafür bekommen will, worum es Ingeborg Bachmann ging, mit welcher Wucht sie in der Nachkriegszeit in die absolut männerdominierte Literaturszene einschlug, wie universell und aktuell ihr Schreiben ist, der sollte in diesen Film gehen.

@zeroonefilm
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Posted On: July 21st 2026, 07:54 am
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Zu Regina Schillings Film über Ingeborg Bachmann

Ich liebe das Lesen, aber ich bin in keine "Literaturkennerin." Ich habe (leider) weder Vergleichende Literaturwissenschaften studiert noch sonstwas in der Art.

Das war einer der Gründe, weswegen ich mich lange nicht an Ingeborg Bachmann herangetraut habe. Ich wollte mich nicht "dumm" fühlen, also mied ich sie.

Irgendwann aber griff ich bei Bekannten ins Regal und zog einen Lyrikband von ihr heraus. Ich bin durch meinen Vater mit Gedichten und Balladen aufgewachsen. Ingeborg Bachmann war nicht Teil seines Kanons; wer ihre Lyrik, ihre Erzählungen – und meinen Vater – kennt, den wird das nicht wundern.

Ich las mein erstes Bachmann Gedicht also im Stehen und musste mich danach erstmal setzen. Denn ich verstand zwar erst einmal: NICHTS. Aber mein Körper verstand ALLES. Ich bekam Herzklopfen von der Wirkung der Worte, als es mir gelang, meine Scham auszuschalten und ihre Sprache auf mich wirken zu lassen.
Seitdem habe ich mich tastend durch ihr Schreiben bewegt und kann langsam ermessen, warum sie so eine ungeheure Bedeutung hat. Vor allem hat sie inzwischen für MICH eine ungeheure Bedeutung, manchmal habe ich das Gefühl, in ihrem Körper und mit ihren Augen durchs Leben zu gehen.

Jetzt war ich in Regina Schillers Kino-Dokumentarfilm über sie – und war wirklich überwältigt davon und natürlich wie immer von Sandra Hüller. Von Anfang an macht der Film klar, dass hier niemand, auch nicht Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann "spielt". Vielmehr wird sie von Sandra Hüller VERKÖRPERT – ja, das ist das richtige Wort. Sie erkundet Ingeborg Bachmann, im Innen und Außen, und es ist einfach absolut großartig, wie Regina Schilling ihr die Bühne dafür bereitet hat.

Es ist hilfreich vorher nochmal schnell ein bisschen Biografisches aufzufrischen, weil der Film vieles nur andeutet, vorraussetzt.

Aber wer ein GEFÜHL dafür bekommen will, worum es Ingeborg Bachmann ging, mit welcher Wucht sie in der Nachkriegszeit in die absolut männerdominierte Literaturszene einschlug, wie universell und aktuell ihr Schreiben ist, der sollte in diesen Film gehen.

@zeroonefilm
Comments (5)
madamedammm 4 months ago

madamedammm

Oh, den guck ich, liebe Julia. Auch wenn ich direkt körperliche Reaktionen zeige, wenn ich an meine Seminararbeit zurückdenke, die ich einmal über Ingeborg Bachmann schreiben musste. Faszination auf 12 quälenden Seiten 😅

julia_jortzig 4 months ago

julia_jortzig

https://weltkino.de/filme/ingeborg-bachmann-jemand-der-einmal-ich-war

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