Instagram story viewer> @benjamin__baumann> Posts
1.5K
followers
1191
following
Literatur, Kunst, Reise, Politik, Rezensionen, Philosophie
für 245 Tage mit dem Zug auf der Suche nach Europa
* * *
Buch - "Kollateralschädel":
POSTS STORIES REELS TAGGED
Download All
Gerade erschienen: #kollateralschädel.

Wo stehen wir angesichts der "Zäsuren" unserer Zeit? Für wen erheben wir unsere Stimme? Für wen schweigen wir?

Lesungen:
21. März - 10.15 Uhr, Buchmesse, Halle 4, B306
21. März - 19 Uhr, Stallwache Leipzig
21. März - 21 Uhr, Leipziger Literaturverlag 
25. März - 19 Uhr, Moritzbastei Leipzig

(Interessierte können das Buch natürlich auch einfach bei mir bekommen.) by @benjamin__baumann
6
3 years ago
Download
245 Tage Europa / Tag 1

* * * * * 

Am 2. März starteten wir von Leipzig über Wien nach Bukarest auf unsere abenteuerliche Zugreise durch Europa zunächst im Dacia - Express, wo wir sogar eine Dusche in unserer Schlafkabine nutzten! 

Schon einige Minuten nach Ankunft in Bukarest spendierte uns Sorin unseren ersten rumänischen Kaffee und wir spürten die osteuropäische Gastfreundschaft sofort.

Am Nachmittag wurden wir dann während einer orthodoxen Zeremonie gesegnet, wodurch die Reise zusätzlich unter einen guten Stern geriet.

Inzwischen lernten wir bei strahlender Sonne  einen Typen kennen, dessen Sticker es sogar auf den Kilimandscharo schafften (siehe Link), Maja und Michael, die mit dem Zug von Hamburg nach Tokio reisen und Martin, der uns in der Art Gallery in Ruse von seiner Arbeit und der Zukunft Europas erzählte.

Inzwischen sind wir über die "Brücke der Freundschaft" nach Bulgarien gefahren, wo wir in Welinko Tarnowo die Gegend erkunden.

Ab und an halte ich euch ein wenig auf dem Laufenden. Vielleicht wird später mal ein Buch aus all dem. 

Wir sind jedenfalls unglaublich dankbar für das Privileg einer solchen Reise und möchten uns von der Wärme und Rauheit der wechselnden Landschaften sowie der Herzlichkeit der Begegnungen, der Vielfalt der Kunst und der Schönheit dieser Welt, die wir manchmal vergessen, wieder ein Stück weit verwandeln lassen.

Seid von unterwegs alle herzlich gegrüßt!
______________

#travelbytrain #245days #benundnelly #traveleurope #makeartnotwar taken in Veliko Tarnovo, Bulgaria by @benjamin__baumann
1
7 months ago
Download
Auf der Suche nach Europa - Tag 205

* * * * *

Vilnius -  Krakau - Budapest - Zagreb - Sarajevo

Noch überraschender als der Wechsel der Orte und Landschaften, die man auf der Reise durchquert, ist das Ablaufen der Zeit während all das geschieht.

Natürlich schreckt man auch Zuhause manchmal auf und fragt sich: was war eigentlich in den letzten vier Wochen passiert? Was davon bleibt? Was war wirklich  wichtig?

Wenn man jeden Tag, fast jede Stunde aber in so hoher Intensität und Wachheit erlebt, dann wirkt es noch skandalöser, dass die Zeit nicht einmal aus Respekt vor dem sich selbst genießenden Leben  wenigstens ein bisschen langsamer verläuft.
Nichts. 

Fast im Gegenteil fragt man sich nach fast sieben Monaten verdutzt: das war es schon fast?
Das war all die lange Zeit unserer Reise? Und bei all dem, was wir veranstaltet und erlebt haben, ist sie dennoch fort?

Unweigerlich wächst also im Unterwegssein das Bewusstsein für die Vergänglichkeit.
Wieder einmal.

Natürlich nichts Neues für einen Philosophen, sollte man meinen, und dennoch... Die Reise macht auch hierbei einen Unterschied, einen "Erfahrungsschatz", der auch ein wenig bedrückend wirkt. 

Die bessere Schlussfolgerung wäre natürlich,
einfach nicht damit aufzuhören, jeden Tag mit allem,
was uns sinnlich zur Verfügung steht,
zu erleben, zu gestalten und - erlauben wir uns das doch - auch zu genießen.

* * * * *

#travelbytrain
#reiseliteratur
#europa taken in Zenica by @benjamin__baumann
0
5 days ago
Download
Wenn ich mit dem Abstand von nur sechs Wochen Zugreise durch Osteuropa auf die Nachrichten aus Deutschland blicke, wirkt das auf mich, als hätte eine Nation ihren Verstand verloren.

Zumindest dort, wo sich ein Bewusstsein in den Medieninhalten zu spiegeln scheint, das mit sich nichts Wesentlicheres anzufangen weiß, als im kommunikativen Dauerwahn an den eigenen Orientierungslosigkeiten herumzuspielen.

Vielleicht täte es allen gut, mal aus sich herauszukommen und in die Vielfalt und Freude der Welt zu schauen.

Als ich die Berichte zur Attacke auf die  israelische Botschaft in Istanbul sah, dachte ich:

Sollten wir statt über Schießereien vielleicht öfter über Sonnenaufgänge berichten?

Was ist mit all der übrigen täglichen Wahrheit in einer magischen Stadt, von der dann wieder alle nur hören, es hätte einen Toten gegeben?

Was ist mit dem Glück der Gastfreundschaft, dem Spiel der Kinder, den kreischenden Möwen über dem Bosporus, der Sehnsucht der Leute nach einem friedvollen Beieinander.

Wo gibt es die Live-Streams, die die Lust zu leben dokumentieren?

Je länger wir unterwegs sind, desto verzerrter wirkt das, was wir über die Welt zu wissen meinen, solange wir sie vom Hörensagen emotionaler Erregungsspitzen her kennenlernen. 

Die meisten der schrecklichen News sind wahr, keine Frage. 

Aber ihr Verhältnis zu dem, was es nicht in die News schafft, können wir kaum noch realistisch einschätzen, wenn wir nicht irgendwann aufbrechen. 

* * *

#travelbytrain #searchingforeurope #244nächteeuropa taken in Trabzon by @benjamin__baumann
2
5 months ago
Download
Auf der Suche nach Europa - Tag 188

______________

Es ist

... als seien die allmählich in eine Minderheit abdriftenden Stimmen der Vernunft unsicher geworden, ob es noch möglich ist, sich bemerkbar zu machen, ohne Lärm und Getöse, ohne Ausgrenzung und Verächtlichmachung. 

Die Vorgeführten rotten sich zusammen in ihrer geteilten Aggressivität, die Vorführenden bestätigen sich in ihrer Überheblichkeit und der Rest verhält sich,
als sei er der Rest. 

Der Rest sind keine Leute, die mit Mikrofon durch Fußgängerzonen laufen, um ihren Instagramkanal zu bespielen.

Der Rest sind weder Dieter Hallervorden noch Sarah Bosetti, weder Influencer noch Medienschaffende noch Comedians noch andere Profiteure der Spaltung und des Zynismus.

Der Rest sind die Leidtragenden, die stark genug sind, nicht zu pöbeln, keine hektischen Urteile ins Netz zu protzen, der Rest sind diejenigen, die zu klug sind, um sich zu Wort zu melden, weil sie bemerken, dass viel zu viele das Wort ergriffen haben. 

Aber der Rest ist auch bescheiden genug, um zu verkennen, dass es auf ihn mehr denn je ankäme und dass die Stimmen der Vernunft nicht zum Lärm und Hass beitragen, sondern auf das Verstehen-Wollen deuten. 

Der Rest soll bleiben wie er ist, aber sich doch eingestehen, sich diesen einen Schritt von der eigenen Klugheit entfernen zu dürfen, um endlich inmitten der Platzhirsche, Narzissten und von sich selbst Ergriffenen einen kleinen, ja winzigen Raum einzunehmen für diejenigen, deren Zuversicht darauf eingewiesen ist, zu wissen, dass dieser Rest noch da ist. 

Dieser Rest seid ihr. 

Vertraut der leisen Stimme eurer Vernunft, bleibt ihr treu, aber macht von ihr Gebrauch, in aller Ruhe, in aller Langsamkeit, in allem Nachdenken, aber schweigt nicht vollends.
Sonst höre ich nichts mehr und werde verrückt. Und dann hören wir uns alle nicht mehr jenseits des Geschreis.

Grüße aus dem Unterwegs

* * * * * 

#landtagswahl
#sachsenanhalt
#travelbytrain
#europa
#demokratie taken in Tartu, Estonia by @benjamin__baumann
2
23 days ago
Download
245 Tage Europa / Tag 115

Ein griechischer Kellner im "Aktaion" direkt am Argonischen Golf erzählt einer Gruppe von vier Amerikanerinnen, dass sein Vater vor wenigen Wochen verstarb.

Statt zu kondolieren, halten ihm die kalifornischen Ladys einen Zwanzig-Dollar-Schein vor die Nase. Die amerikanische Form der Trauerbewältigung.

Anschließend treffen die Damen zwei junge Frauen aus eben der Region, aus der sie auch stammen, und verfallen in ein 5-minütiges Crescendo aus "awesome" "exciting" und "wow".

Nach der Aufführung verschwinden alle ohne weitere Worte in ihre vorigen Grüppchen.
Eine Welt auf-u. abschwellender Affektivierung, unterbrochen durch kurze Pausen von sich selbst. 

Alle Gebisse der jüngeren US-girls sehen aus wie aus unserer Zahnpastawerbung. Wer sich Europa leisten kann, dem fehlt es nicht an Krankenkassen-Beiträgen.

Immerhin bin ich jetzt froh in der Touristenhölle von Nafplio zu sitzen und nicht an einem Strand in Kalifornien... 

Die Luxus-Yachten stehen hier Spalier wie zum Juryurteil aufgereihte Schönheitskandidatinnen in den 90ern.
Die Namen der Schiffe klingen wie reaktionäre Männerphantasien:
"crazy, sexy", "white knight". 

Ich empfinde Mitleid mit ihren Besitzern, weil sie hier an so öffentlichen Orten stehen, dass klar wird, dass sie zu den armen Schweinen unter den Superreichen gehören müssen, andernfalls sie ihre Boote an privateren Orten lagern würden.

Vielleicht halte ich einigen von Ihnen später ein paar 20-Euro-Scheine unter die Nase. Subventionierung aus dem Literaturbetrieb. 

Die Wege am Küstenufer werden von den meisten Touristen verschont, weil sie eine kleine Anstrengung erfordern.

Ein paar Meter genügen und wir sind allein mit der malerischen Landschaft und schwimmen gemeinsam zur untergehenden Sonne. Ganz weit weg. 

* * *

#travelbytrain #searchingforeurope #overtourism #reiseliteratur #makeartnotwar taken in Náfplio, Greece by @benjamin__baumann
1
3 months ago
Download
Was wir brauchen: Vertrauen in unsere Fairness, Empathie und Argumente. 

#demokratie #leipzig #politik taken in Daugavpils by @benjamin__baumann
6
17 days ago
Download
Auf der Suche nach Europa - Tag 180

* * * * * 

Das Leuchten am Näsiselkä-See
Schau den Farben zu
Verlerne dein Leben

___________

#tampere
#travelbytrain
#kollateralschädel
#makeartnotmoney
#lights taken in Tampere, Finland by @benjamin__baumann
0
a month ago
Download
* * * * *

Auf der Suche nach Europa - Tag 162

Gestern toller Abend im Nordlicht am Hafen in Klaipeda.
Wir staunten stundenlang über die Farben des Himmels.
Ich sollte öfter am Meer sein, denke ich.

In welcher Welt wollen wir leben?

Was kann ich tun, um diese Frage zu beantworten und ihrer Spur zu folgen?

Wer aus der Spirale von Schuldzuweisung und Groll austritt, begegnet der eigenen Neugier und Lebensfreude neu. 

Niemand hier schwätzt mir seine neoliberale Ideologie in den Kopf, keiner blökt nationalistische Parolen, kein Kleinbürger jammert, es gibt keine Verpflichtung zum Blödsinn. Wir entscheiden selbst. 

In den Wellen kommt die Dauerumverteilung von Schuld und Schande zum Ende.

Wer sich umsieht, wird sich wundern, wie wenig die Welt außerhalb des eigenen Ressentiments so funktioniert wie in der medialen Schleife aus Influencern, Journalisten und Markus Lanz eben noch gedacht.

Wer aus dem Mangel an Mut und Utopie austritt, wird mit Schönheit, Ruhe und Reflexion belohnt, der Möglichkeit von Freiheit und der Liebe zur Verantwortung.

Ich sage nicht, dass es nur einfach ist. Aber es ist einfacher, als ein unterdrücktes Leben zu leben.

Die Reise verwirklicht meine Vorstellung von Güte.  Das Unterwegs stiftet mir - keine Heimat - aber einen liebenswerten Modus des In-der-Welt-seins. 

Hier wird keine Gemeinschaft aus dem Geist des Lagers gebildet, um einander abzugrenzen und zu bekämpfen.

Sofern Gemeinschaft, dann wegen einer geteilten Utopie, einer erzählenswerten Geschichte, einer aus Neugier entwachsenen Zuwendung.

Doch. Eigentlich ist es leicht.
Einen Preis für unsere Entscheidungen zahlen wir ohnehin.

Aber wir bestimmen darüber, an wen.

* * * * * 

#travelbytrain
#lithuania
#reiseliteratur
#makeartnotwar taken in Klaipeda, Lithuania by @benjamin__baumann
0
2 months ago
Download
Auf der Suche nach Europa / Tag 152
___

10 Tage, 165 Kilometer, 147 Wasserüberquerungen, 3 Länder, 3 Schmerzstellen, keine Stöcke. 

Oopsimeter (Stolpern mit Adrenalin):
Benjamin 33
Nelly 45

Es ist ja alles freiwillig.

* * *

"Hier gehöre ich nicht hin, nicht in diese unverdorbene Schönheit - ich Mensch bin dieser Landschaft unwürdig und dies ist mein Bekenntnis."

Wir durchwandern die Berge, Gipfel, Täler, beobachten Bussarde und Adler, Spinnen, Schmetterlinge, Salamander, Pferde, das Grün, Blau, Grau, hören den Wind, die Stille, essen unsere Brote, trinken Wasser.
Es nutzt alles nichts.

Erkenntnisse gewinnen wir nicht. Außer dass alles hier sein Bild hat, in das wir nicht eingezeichnet sind.

Wir besuchen die Existenz als Gäste, das ist bekannt. Aber wir besuchen auch die Landschaften im Einzelnen nur auf der Durchreise.

Es genügt ein Blitzeinschlag und unsere Existenz ist fort. Hier oben lassen wir zurück, was wir als Heimat eingerichtet haben.

Die Wanderung beinhaltet nicht nur demütiges Staunen, sondern auch ein vertieftes Nachdenken über Sinn, Existenz und Tod.

Es könnte uns - das spürt man hier oben genauer - genausogut nicht geben. Und nichts wäre damit verloren. 

Jedenfalls nichts inmitten dessen, was wir hier sehen.

Nur das, was wir uns erzählen, damit daraus eine Silhouette von Sinn entsteht, wäre verloren. Wir brauchen unsere goldenen Kälber.

Wir können nicht anders, als uns um einen Sinn zu drehen, den wir uns glauben machen, weil wir unsere Bedeutungslosigkeit nicht ertragen. 

Wir erzählen uns Geschichten von Nationen und Grenzen, von Vorfahren und Stolz, alles, um uns ein wenig heimatlich zu fühlen. Einen Unterschied macht all das nicht.

Die Kosovarischen Berge sind von denen Albaniens nicht zu unterscheiden. Nichts hier lässt auf die Existenz einer politischen Sphäre schließen. Nichts suggeriert ihre Notwendigkeit. 

Es gibt ein Leben. Das bleibt ein gültiger Satz. Das ist der Trost.

Was wir daraus ableiten dürfen, davon wissen wir nichts. Aber das Leben ist da. Es umgibt uns, es durchwirkt uns. Und das ist, was uns mit dem verbindet, was wir hier oben sehen.

Ob das viel ist oder fast nichts, wird  jeder selbst für sich entscheiden. taken in Peaks Of The Balkans   The crossborder by @benjamin__baumann
0
2 months ago
Download
Auf der Suche nach Europa - Tag 140 

* * * * * 

Jetzt also auch noch dieser  allzu berühmte Trail im sonst eher für "Konflikte" berühmten Balkan: 180 Kilometer, 10 Tage, 19'000m Hoch-Tief.

Los geht das von Theth nach Valbona in Albanien. Nach den ersten drei Kilometern weise ich Nelly darauf hin, dass sie den Gruß entgegenkommender  Wanderer nicht erwidert. Sie antwortet knapp und mit offensichtlichen Kreislaufproblemen: "Ich habe genickt, das muss reichen." 
Damit ist der Ton gesetzt. 

Später treffen wir am ersten Gipfel eine Familie, deren Mutter zu Tochter Jette sagt, sie solle nicht zu nah am Abgrund stehen, woraufhin der Vater meint: "Aaach, wir haben doch ansonsten noch ein Kind!" 
Anschließend knipst Jettes Mutter ein Foto von uns. 

Während des Abstiegs begegnen uns sehr viele Amerikaner auf der Flucht vor sich selbst. Sie fliegen an, nehmen Taxis für den Transport, picken sich die Rosinen aus der Landschaft und verwüsten sie währenddessen durch ihren logistischen Firlefanz und ihre wahllose Tiraden aus "awesome", "exciting" und "wow". 

Immer nett, das einfache Leben der Menschen hier zu bestaunen, während man sich mit 350-Euro- Wanderschuhen und 80-Euro-Stöcken gegenseitig die verbleichende Fitness beweist und dafür 14 Tage Jahresurlaub in Europa bucht. Nein, 
selbst die sagenhafte Landschaft hier schützt nicht vor der Gedankenlosigkeit ihrer Besucher.

Jedenfalls kleben am Ende eines langen Tages die Blasenpflaster, wo sie hingehören und wir sind bereit für die nächsten 165 Kilometer auf dem Weg zur ultimativen Selbstfindung inmitten eines Kontinentes, der die drei Länder des Trails einfach nicht in seine Union aufnehmen will.

Kalipé!

------------

#peaksofthebalcans #travelbytrain #aufdersuchenacheuropa #albania #travelpoetry taken in Theth by @benjamin__baumann
1
2 months ago
Download
* * * 

Auf der Suche nach Europa - Tag 156

Podgorica, ein Kellner im Voli nahe dem Bahnhof erzählt davon, dass man nun im Sommer nichts tun könne, als zuhause zu sitzen: "It is Sahara here."

Später erscheint mir Budapest gespenstisch leer. Die sonst so bizarren Beleuchtungen der Stadt bleiben  ausgeschaltet, wodurch ein Eindruck der Dunkelheit inmitten des heißen, apokalyptischen Sommers entsteht.

Die Wasserstände der Donau und anderer Flüsse sind so niedrig im August, dass die Regierungen in Ungarn, Serbien und Rumänien ihre Bevölkerungen zum Stromsparen aufrufen.
Entsprechend verzichten die Städte selbst auf die opulenten Lichter, die ihre Silhouetten sonst in eine so einzigartige Atmosphäre tauchen.

Die Schönheit ist der erste Preis, der in Europa gezahlt wird, wenn der Klimawandel spürbar wird. 

Rumänien sprengte sogar einen Felsen in der Donau, um ein Atomkraftwerk mit ausreichend Kühlwasser versorgen zu können.
Die Einschläge werden häufiger.

Im Gegensatz zu Leipzig sind die Gleise hier zwar noch nicht ganz geschmolzen, jedoch wirken sich die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf unsere Route aus. Alle Züge sind massiv verspätet.

Wir reisen von Ort zu Ort. An frühzeitige Buchungen ist nicht mehr zu denken. Es dauert Tage, in den europäischen Norden zu fliehen.
Die Dystopie ist zum Greifen nah.

Alle fläzen sinnlos herum, schalten sich ab, um Energie zu sparen. Je erschöpfter sie sind, desto leichter werden es die Diktaturen haben.

Es bleibt eine kleine Zeit, die von uns genutzt werden kann, um das Schlimmste zu verhindern. Sie ist jetzt.

Vielleicht können wir sogar vermitteln, dass eine Schonung des Planeten auch eine Verschönerung unserer Leben bedeuten kann. 

Wir sind auf dem Weg von Budapest nach Breclav 90 Minuten verspätet. Wir haben zwei Stunden Puffer. Es ist abzusehen, dass er nicht genügen wird. 

* * * 

#travelbytrain #searchingforeurope taken in Europa by @benjamin__baumann
2
2 months ago
Download
×

Download all media on this page

Photos Videos
back to up