Posted On: October 16th 2026, 01:09 pm
Prag. Tereza Bouckova hat fast ihr ganzes Leben (mit einer Unterbrechung in den 80er Jahren) in dem Haus in der Matousova-Straße verbracht. Von diesem Haus, oder richtiger, von seinen Bewohnern über einen Zeitraum von 100 Jahren handelt dieser Roman. 1927 wurde es von dem Rechtsanwalt Eduard Schwarz erworben, der es mit seiner Familie bewohnte. Doch die Familie ist jüdischen Glaubens, deshalb können seine Kinder und Enkel dieses wunderbare Haus nicht lange genießen. Der Tochter, verheiratete Kohn, gelingt es, mit der Familie ihres Mannes Visa für Ecuador zu bekommen. Nach dem Krieg übersiedelt dieser Familienzweig nach New York City. Aber nicht alle haben so viel Glück. Sohn Karel wird mit Familie in Auschwitz ermordet. Eduards Nichte Ottilie ist mit dem Kinderarzt Dr. Epstein verheiratet. Dem Ehepaar gelingt es kurz vor Kriegsausbruch, ihren Sohn mit dem Kindertransport von Nicholas Winton nach England zu schicken (Winton rettete 669 überwiegend jüdischen Kindern aus Prag das Leben) und selbst nach Norwegen zu gelangen. Doch dort sind sie nur vorübergehend in Sicherheit, denn als die Deutschen Norwegen besetzen, kommt das Ehepaar direkt nach Auschwitz. Ottilie wird noch am Ankunftstag ins Gas geschickt. Dr. Bertold Epstein wird zum Assistenten von Dr. Mengele, überlebt und kehrt nach dem Krieg in dieses Haus zurück, wo er noch einmal eine Familie gründet. Dies sind nur ein paar der vielen, vielen Details, die Tereza Bouckova in mühevoller Kleinarbeit herausgefunden hat. Das Ende von Dr. Epsteins Stieftochter Alena, die wie die Autorin auch beinahe ihr gesamtes Leben in diesem Haus verbrachte, war der Auslöser für Bouckovas Recherchen. Aber die Autorin bleibt nicht bei den Bewohnern, sondern stellt anhand von deren Biografien Querverbindungen zu weiteren Personen und Zusammenhängen her und erzählt viele persönliche, historische und politische Details. Zum Beispiel, wie das neue kommunistische Regime nach Kriegsende mit den Menschen umging, die während der Protektorats- und Kriegszeit gezwungen waren, für Deutsche zu arbeiten und deshalb als Kollaborateure angeklagt, …
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