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JOURNAL FÜR KUNST
Begegnungen im Museum
Gedanken | Interpretationen | Fotografien
Für alle, die mehr wollen als schöne Bilder.
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Baselitz • Städel Frankfurt #georgbaselitz #städelmuseum #contemporaryart #artcollector #artlovers taken in Frankfurt, Germany by @re.con.cil.e
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a month ago
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Auguste Rodin • Eva, 1881 • Kunsthalle Mannheim

Wie hätte die Skulptur ausgesehen, wäre Rodin Feminist gewesen?

Rodins Eva ist nackt – und doch nicht frei.

Ihr Kopf ist gesenkt, die Arme schützen den Körper, die Haltung zieht sich nach innen. Sie zeigt Scham. Aber diese Scham entsteht nicht aus ihrem Körper. Sie entsteht aus dem Urteil über ihn.

Die biblische Eva erkennt nach dem Sündenfall ihre Nacktheit. In der religiösen Erzählung wird aus Erkenntnis Schuld, aus Körperlichkeit etwas, das verborgen werden muss.

Genau darin liegt die Macht äußerer Moral - sie braucht irgendwann keinen Zwang mehr:

Eva bedeckt sich selbst.
Scham wird verinnerlicht.

Eine feministische Lesart müsste deshalb nicht einfach das Gegenteil zeigen: eine demonstrativ nackte, selbstbewusste Frau. Freiheit beginnt nicht dort, wo der Körper möglichst viel zeigt.

Sie beginnt dort, wo das äußere Urteil seine Macht verliert.

Dann verändert sich auch die Bedeutung der Erkenntnis.

Der Apfel steht nicht länger für den Beginn der Schuld, sondern für den Beginn des eigenen Bewusstseins. Eva erkennt nicht, dass sie sich schämen muss. Sie erkennt, dass ihr Körper ihr gehört.

Aus äußerer Moral wird inneres Bewusstsein.

Und genau darin liegt der entscheidende Unterschied:

Nicht der nackte Körper ist frei.

Frei ist der Mensch, der selbst bestimmt, was seine Nacktheit bedeutet.

#AugusteRodin #Rodin #skulptur #KunsthalleMannheim #Feminismus taken in Mannheim, Germany by @re.con.cil.e
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an hour ago
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Simon Hantaï • Peinture, 1956 •
Peinture, Januar 1957 • Étude, 1969 •
Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Vor dem Gitter.

1956, 1957.
Noch ist bei Simon Hantaï fast alles Geste:
Bewegung, Überlagerung, körperliche Energie. Die Nähe zu Pollock ist spürbar – und vielleicht auch das Ringen, aus dessen Schatten herauszutreten.

Hantaï will etwas Inneres nach außen bringen.
Doch solange jeder Strich von seiner Hand kommt, bleibt auch jeder Ausdruck unter ihrer Kontrolle.

Dann findet ihn die Faltung.

Teile der Leinwand werden verborgen, das Ergebnis entzieht sich seinem Blick. Material und Zufall beginnen mitzuarbeiten. Hantaï begrenzt seine Hand, um seinen Ausdruck von ihr zu befreien.

Und er kehrt danach nicht mehr wirklich zur freien gestischen Malerei der 1950er zurück.

Kann darin ein Schlüssel liegen?

Die Faltung schenkte Hantaï nicht die Freiheit.
Aber sie gab ihm eine Methode, weiter nach ihr zu suchen.

Eine Ordnung für seine innere und äußere Welt.
Eine Möglichkeit, Pollock hinter sich zu lassen.
Ein Weg hinaus aus der Mittelmäßigkeit, die er fürchtete.

Und doch bleibt das Paradox:
Was ihn zunächst aus dem Käfig führen sollte, wurde mit der Zeit selbst zu einer Begrenzung.

Entfaltung der Farbe. Simon Hantaï
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
bis 10.01.2027

#SimonHantai #MuseumFriederBurda
#JacksonPollock #Pliage #AbstractArt taken in Baden-Baden, Germany by @re.con.cil.e
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a day ago
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August Macke • Zwei Mädchen, 1913 • Städel Frankfurt

Die Moderne rauscht durch dieses Bild.

Macke zerlegt die Umgebung in Farbe, Licht und geometrische Splitter – geprägt von Kubismus und Futurismus. Alles scheint sich zu bewegen. Nur die beiden Mädchen bleiben erstaunlich geschlossen und ruhig, fast wie ein Gegenpol zum flirrenden Großstadtleben. 

Auch gesellschaftlich ist 1913 eine Schwellenzeit: Urbanisierung, Konsum und neue Freiheiten verändern das Leben; junge Frauen werden im öffentlichen Raum sichtbarer, während die bürgerlichen Rollenbilder noch eng gesteckt sind.

Aus meiner Sicht liegt genau darin die Spannung des Bildes:

zwei selbstverständliche, zuversichtliche junge Frauen mitten in einer Welt, die sich gerade beschleunigt – unmittelbar vor dem historischen Bruch von 1914.

Macke hat die beschleunigte Welt seiner Zeit mit einem erstaunlich ruhigen Blick festgehalten.

#AugustMacke #urbanstyle #Expressionismus #städelmuseum #moderne by @re.con.cil.e
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3 days ago
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Jean Tinguely • Baluba XIII, 1961/62 • Kumsthalle Mannheim

Leitgedanke des Nouveau Réalisme: 

ALLES IST KUNST!

Schlussfolgerung für uns:

ALLE SIND KÜNSTLER?

#jeantinguely #nouveaurealisme #kinetik #comtemporaryart #kunsthallemannheim taken in Mannheim, Germany by @re.con.cil.e
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7 days ago
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Jackson Pollock • Eye-Scape, 1952 • Museum Reinhard Ernst, Wiesbaden

Manchmal stehe ich vor einem Kunstwerk und frage mich: Sehe ich hier tatsächlich große Kunst – oder suche ich nach ihr, weil ein großer Name daruntersteht?

Eye-Scape hat mich zunächst enttäuscht. Mein erster Gedanke: die Schatzkarte eines Kindes.

Bei näherer Betrachtung entdecke ich einzelne Farbspuren von bemerkenswerter Leichtigkeit. Ein feines Handgelenk, ein Gespür für Bewegung und Rhythmus. Oder ist es schlicht Zufall?

Darin liegt für mich die Herausforderung dieses Bildes: zwischen Können und Zufall, künstlerischer Absicht und unserer eigenen Interpretation.

Ich muss nicht jedes Werk eines großen Künstlers großartig finden. Aber ich möchte offen bleiben für das, was sich mir möglicherweise erst auf den zweiten Blick erschließt.

Eye-Scape bleibt für mich ein Fragezeichen. Und gerade deshalb hat es einen Platz in meinem Kunstjournal verdient.

#jacksonpollock #abstractart_daily #MuseumReinhardErnst #abstrakterexpressionismus #wiesbaden taken in Wiesbaden, Germany by @re.con.cil.e
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7 days ago
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Andy Warhol • Ikonen • Moderne Galerie, Saarbrücken 

Warhols Pop Art zeigt uns die Bildwelt des Westens. Eine Welt der Ikonen, des Konsums und der unaufhörlichen Inszenierung.

Warhol hat diese Bilderwelt bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert sichtbar gemacht. Heute begegnet sie uns in einer digitalen Welt nahezu grenzenloser Ablenkung.

Wir selbst sind Teil dieser Bilderwelt geworden, die aufhört zu hinterfragen. Und hinter deren Oberfläche wenig Substanz übrig bleibt.

Pop Art als Spiegel einer Zivilisation die sich zunehmend in der Oberfläche verliert?

#andywarhol #modernegalerie #popart #saarbrücken #artlover taken in Saarbrücken, Germany by @re.con.cil.e
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8 days ago
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Günther Uecker • Nagelobjekt (Knie), 1968 • Arp Museum, Remagen

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.
- Rainer Maria Rilke -

Geborgen in der Schwerelosigkeit

Ein Schwarm. Eine Strömung. Ein stilles Getragensein.

Hunderte Nägel, jeder für sich starr und unbeweglich, fügen sich zu einer Bewegung, die beinahe schwerelos erscheint.
Sie schweben, sie neigen sich, sie folgen einander. Als würden sie von einer unsichtbaren Kraft getragen, die ihnen Richtung gibt, ohne sie festzuhalten.
In dieser Bewegung liegt für mich etwas zutiefst Tröstliches. Ein Gefühl von Geborgenheit, von einem Aufgehobensein in etwas Größerem.

Gerade das ist es, was mich an diesem Werk so berührt: dass ausgerechnet die Härte der Nägel eine solche Sanftheit hervorbringen kann.
Dass selbst das Schwere schwerelos werden darf.

Und dass wir manchmal erst im Loslassen erfahren, was es bedeutet, gehalten zu sein.

#güntheruecker #arpmuseum #remagen #rilke #artexplorer taken in Remagen, Germany by @re.con.cil.e
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9 days ago
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Taryn Simon • Paperwork and the Will of Capital, 2015 • Kunsthalle Baden-Baden

Auf den ersten Blick: ein Blumenstillleben.

Doch diese Blumen standen nicht für sich.

Taryn Simon rekonstruierte jene Bouquets, die auf historischen Fotografien bei der Unterzeichnung politischer Verträge, Abkommen und Dekrete zu sehen sind. Während über Grenzen, Geld, Ressourcen und Macht entschieden wurde, standen sie mitten auf dem Tisch – sorgfältig arrangiert, dekorativ und scheinbar vollkommen bedeutungslos.

Und gerade deshalb sind sie so faszinierend.

Simon nimmt die Menschen aus dem Bild und lässt zurück, was normalerweise nur Kulisse war. Plötzlich werden die Blumen zu stummen Zeugen der Macht.

Schönheit als Dekoration.
Natur als Inszenierung.
Ein Blumenstrauß als Bestandteil jener Choreografie, mit der politische und wirtschaftliche Macht sich selbst darstellt.

Fast zehn Jahre später bekommt diese Arbeit eine besondere Aktualität: Heute eröffnet Taryn Simon im @guggenheim in New York „Father Country I Do Love You“, ihr bislang größtes Projekt. Wieder geht es um Macht, Institutionen und die Geschichten, die hinter den sichtbaren Bildern verborgen bleiben.

Ein roter Faden in Simons Werk:

Sie schaut dorthin, wo wir normalerweise nicht hinschauen.

#TarynSimon #Guggenheim #FatherCountryIDoLoveYou #KunsthalleBadenBaden #usa taken in Baden-Baden, Germany by @re.con.cil.e
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10 days ago
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Yves Klein • Monochrome Bleu, IKB 88, 1959 • Kunsthalle Mannheim 

Für einen Moment eintauchen in die Unendlichkeit.

Selbst jede Spiegelung löst sich in dieser Farbtiefe und Essenz einfach auf.

Das war übrigens Kleins letztes Ziel: ein sich auflösen mit dem ewigen und seine materielle Existenz nur als Teil davon betrachten.

#yvesklein #kunsthallemannheim #nouveaurealisme #modernart #artlovers taken in Mannheim, Germany by @re.con.cil.e
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10 days ago
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Simon Hantaï • Tabulas, 1972-1982 • Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Die Suche nach dem Ausweg

Was wenn Simon Hantaïs Werk als eine einzige, jahrzehntelange Suche nach Befreiung zu lesen wäre?

Am Anfang steht noch der Maler vor der Leinwand.

Der Pinsel. Die Geste. Der bewusste Eingriff. Farbe wird gesetzt, geführt, beherrscht.

Doch irgendwann scheint Hantaï diesem eigenen Willen nicht mehr zu trauen. Er findet keine klare Sprache, zu viel scheint er ausdrücken zu wollen.

Es beginnt eine Art Kapitulation des bewussten Malens.

Er faltet die Leinwand, knüllt sie, bindet sie zusammen. Er malt auf eine Oberfläche, die er selbst nicht mehr vollständig sehen kann. Erst beim Öffnen erfährt auch er, was entstanden ist.

Die Farbe darf geschehen.

Und damit verändert sich alles.

In den Études und später den Blancs wird zunehmend das wichtig, was nicht gemalt wurde. Das Weiß ist keine Leere mehr. Es wird zum Raum, zum Atem zwischen den Farben. Die Auslassung wird genauso bedeutend wie die Setzung.

Und schließlich die Tabulas.

Hantaï verknotet die Leinwand in immer regelmäßigerer Ordnung. Aus dem Zufall entsteht ein Raster. Quadrate von Farbe, getrennt durch jene weißen Linien, an denen die Leinwand dem Zugriff des Malers entzogen war.

Fast wirkt es, als hätte er einen Weg gesucht, sich selbst immer weiter aus seiner eigenen Malerei zu entfernen.

Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage dieses Werkes:

Hat Simon Hantaï durch diese Aufgabe der Kontrolle jemals seinen inneren Käfig verlassen?

Oder sehen wir etwas anderes?

Vielleicht sind diese Faltungen, Knoten, Auslassungen und schließlich Raster gar keine Befreiung.

Vielleicht sind sie das Gitter.

Und Hantaï steht sein ganzes Leben dahinter, schaut hindurch – auf eine geheimnisvolle, leuchtende Welt der Farben, nach der er sich sehnt, die er aber nur erreichen kann, indem er sich selbst von ihr trennt.

Dann wäre seine Malerei weniger die Geschichte eines Künstlers, der die Freiheit gefunden hat.

Sondern die Geschichte eines Menschen, der sein Leben lang nach ihr gesucht hat.

Könnte genau darin ihre ungeheure Schönheit liegen?

#simonhantai #museumfriederburda #museum #contemporaryart #art taken in Baden-Baden, Germany by @re.con.cil.e
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11 days ago
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Elmgreen & Dragset VI • Städel Frankfurt

Junge in Shorts trifft auf alte Meister.

Dieser Gegensatz dreht die klassische Situation im Museum um. Wer schaut hier eigentlich wen an? Wir beobachten den Jungen beim Beobachten. 

Und plötzlich steht die Skulptur mitten in einem Dialog mit Jahrhunderten Kunstgeschichte.

Fast wirkt es, als wolle er die Distanz zur Vergangenheit überwinden.
Nicht ehrfürchtig. Nicht belehrend. Sondern einfach neugierig.

Vielleicht ist das die schönste Haltung, die man Kunst gegenüber haben kann: näher herangehen und genauer hinsehen.

#elmgreenanddragset #städelmuseum #skulptur #contemporaryart #altemeister taken in Frankfurt, Germany by @re.con.cil.e
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11 days ago
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