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Berichtet in der @zeit über Kunst, Kultur und Bildung in Hamburg. Hier privat mit Notizen von unterwegs.
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Hi Kids, ich habe ein Buch geschrieben. Es ist wie das Trikot, in dem Deutschland die Europameisterschaft nicht gewonnen hat: schön pink. ☺️

»Schönes Hamburg« ist ein Bildband über die Stadt, ihre Viertel, ihre Stimmungen. Der @ellert_richter_verlag hat mich eingeladen, den Band zu konzipieren und seine Texte zu schreiben. Es ist ein Buch für Menschen, die längst Hamburg-Fans sind. Und noch mehr eines für alle, die nie ahnten, dass sie es werden würden.

Ich gehöre klar zur zweiten Gruppe: Hamburg war für mich als Wohnort nur Plan B (nach dem Abi in der Kleinstadt wollte ich selbstverständlich nach Berlin), doch bald lebe ich hier länger als sonst irgendwo. Huch, wie konnte das passieren? 

Als Redakteur im Hamburg-Ressort der @ZEIT bin ich gewohnt, einen kritischen Blick auf die Stadt zu werfen. Das Verlegerpaar Ellert & Richter bat mich, nun zur Abwechslung mal zu schwärmen. Hat geklappt, aber ich verspreche, dass zwei Sätze dennoch nicht vorkommen: »Hamburg ist die schönste Stadt der Welt« und »Hamburg hat mehr Brücken als Venedig«.

Stattdessen geht in meinen Texten zum Beispiel darum, wo man noch Spuren der Altstadt findet (tjaaa ... ) und wo die Stadt sich neuerfindet. Es geht um den Reichtum Hamburgs und die Frage, wo das Geld eigentlich herkommt. Und um die Elbphilharmonie, die für die Stadt völlig untypisch ist und trotzdem ein Glücksfall.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten werden besucht, Stationen der Stadtgeschichte touchiert und nebenbei die Privatvorlieben des Verfassers sanft ins Gehirn der Leserinnen und Leser massiert (Alster oder Elbe? Also, es gibt ein großes Kapitel über die Alster ... aber fast alle anderen Kapitel spielen entlang der Elbufer 🙈).

Zudem: Shoutouts an Bands, Autoren und Orte, die nicht in jedem Hamburgbuch vorkommen, aber vielleicht doch etwas über diese Stadt aussagen. Und alle Texte wurden auch ins Englische übersetzt. In Hamburch schielt man schließlich stets auf den Weltmarkt.

»Schönes Hamburg«: Hardcover, 128 Seiten, 24 × 32 Zentimeter, 996 Gramm, mehr Fotos als ich zählen kann, 19,95 Euro. 

PS: Wer jetzt zehn bis zwanzig Exemplare kauft und in buntes Papier einwickelt, kann Weihnachten gelassen entgegensehen! taken in Hamburg, Germany by @realoskarpiegsa
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2 years ago
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Der #Kolonialismus durchzog die Hamburger Wissenschafts- und Museumslandschaft weit über das einstige Kolonialinstitut und Völkerkundemuseum hinaus.

Sammlungsobjekte zweifelhafter Provenienz finden sich heute noch vielerorts, in der Mineralogischen Sammlung des @museumdernatur.hamburg gibt es etwa Objekte der »Südsee-Expedition«. Von den Menschenschädeln im @markkhamburg und im @uke_hamburg ganz zu schweigen.

Zudem wurde auch in vordergründig unpolitischen (nämlich gar nicht mit Fragen des menschlichen Zusammenlebens befassten) Einrichtungen Kolonialpropaganda und -revisionismus betrieben. 

Das zeigt dieser Beifang meiner Recherche zum historischen Naturkundemuseum am Steintorwall. Dort wurde in den 1930er-Jahren ein neues Diorama mit Zebras und Antilopen eröffnet: »Deutsch-Ostafrika«. Ein Diorama zu »Deutsch–Südwestafrika« gab es laut diesem Hamburger Museumsführer ebenfalls. 

Das war Pi mal Daumen 20 Jahre nachdem das Deutsche Reich seine Kolonien verloren hatte.

(Den Hinweis auf den Führer, der in der @stabihh aufbewahrt wird, verdanke ich Susanne Köstering und ihrem Buch »Ein Museum für Weltnatur. Die Geschichte des Naturhistorischen Museums in Hamburg«, Dölling und Galitz Verlag 2018. 🙏) taken in Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg by @realoskarpiegsa
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2 days ago
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Elbtower ja? Naturkundemuseum nein? Oder lieber andersrum? 🤔

In Hamburg wird über das Naturkundemuseum gestritten. Der @senat_hamburg und die @buergerschafthh haben sich vertraglich verpflichtet, eines zu bauen, das ist ihr Beitrag zum Deal mit der @leibnizgemeinschaft.

Das soll unter anderem dazu führen, dass Hamburgs zoologische Sammlungen nicht weiter verrotten (davor warnte, wenn auch nicht exakt in diesem Wortlaut, der Wissenschaftsrat bereits 2009).

Aber muss es ein #Naturkundemuseum im #Elbtower sein, so wie @peter.tschentscher, der @buergermeister.hamburg, und mehrere seiner Senator•innen das vor ziemlich exakt einem Jahr vorschlugen?

Darüber sprach ich jetzt mit Bernhard Misof, dem Generaldirektor des Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, das das Naturkundemuseum betreiben soll.

Nachzulesen online in der @ZEIT mit dem Link in Bio.

Die debattenmüde Katze von Foto 2️ ist übrigens bereits heute im @museumdernatur.hamburg in der Bundesstraße zu sehen. 

Dort ist die Anmutung ein bisschen provisorisch, dafür ist der Eintritt frei, es ist ein super Ort für Menschen mit Kindern, besonders bei Regenwetter ... und, naja, bis das neue Museum kommt wird es wohl noch etwas dauern. taken in Museum der Natur Hamburg by @realoskarpiegsa
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4 days ago
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Wenn sich eine Tür öffnet, muss man durchgehen (alte LinkedIn-Weisheit). 

Und dann? Steht man auf einmal im Museum. Nicht als Besucher, sondern als Exponat. 🫣

In meinem Fall öffnete sich die Tür zu einem Filmstudio in Hamburg-Ottensen, das war am 14. April 2026, und Sandra Schürmann bat mich hinein, Kuratorin im @museumderarbeit. 

Schürmann betreut die Ausstellung »Nachrichten | News«, die von der (Vor-) Geschichte des Journalismus vom 15. bis ins 21. Jahrhundert erzählt. 

Die Ausstellung war schon im @mfk_berlin und im @mfk_frankfurt zu sehen. In Hamburg wurde eine Videoinstallation ergänzt, in der Journalist•innen dieser Stadt aus ihrem Arbeitsalltag erzählen und von den Umbrüchen ihrer Branche. 

Mit dabei sind:
👉 Benjamin Haller, @dpa_com
👉 @damlahekimoglu, @tagesschau 
👉 Matthias Iken, @abendblatt
👉 @carolinska_, @radiohamburg 
👉 @kaija64, @taz.die_tageszeitung 
👉 Jörn Lauterbach, @welt 
👉 Anna Rüter, @ndr.de
👉 Janko Tietz, @spiegelmagazin
👉 Bastian Vollmer, @rtlnord
👉 Dr. med. Anika Geisler, @stern
und ich für die DIE @ZEIT (HH-Ressort).

Heute sah ich zum ersten Mal das vollständige Ergebnis dieser Drehs und, wow, wir werden überlebensgroß auf Monitoren gezeigt, die im Kreis aufgestellt sind. 

Man kann sich also in die Mitte setzen und wird von allen Seiten endlos zugetextet. 

Try it! It's fun!

Die feierliche Eröffnung von »Nachrichten | News« ist heute Abend, der erste reguläre Tag am morgigen Mittwoch, 14. Oktober, ab 10 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 16. Mai 2027. taken in Museum der Arbeit by @realoskarpiegsa
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5 days ago
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Es passiert nicht oft, dass ein Rathaus wegen Überfüllung geschlossen werden muss. Doch in Hamburg war es an diesem Mittwochabend so weit. 

Der Schulausschuss der @buergerschafthh hatte zu einer öffentlichen Anhörung in den Festsaal des Hauses geladen. 

In dem prunkvollen Raum, unter drei tonnenschweren, golden glitzernden Kronleuchtern, konnten Bürgerinnen und Bürger ihrem Ärger über geplante Einsparungen an Ganztagsgrundschulen Luft machen. 

Diese Einladung nahmen viele an. 

Zu viele, wie sich zeigte.

[Weiterlesen 👉 Link in Bio] taken in Rathaus Hamburg by @realoskarpiegsa
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9 days ago
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Jede Hamburgerin und jeder Hamburger soll während der Schulzeit eine NS-Gedenkstätte besuchen. Das gaben Schulsenatorin Ksenija Bekeris und Kultursenator Carsten Brosda gestern bekannt.

»Es gibt die Erinnerung zu Hause am Küchentisch nicht mehr«, sagte Bekeris zur Begründung. Sie meinte damit den zeitlichen Abstand zu den Verbrechen des Nationalsozialismus, aber auch den Umstand, dass Familienbiografien heute so vielfältig seien, dass viele Kinder und Jugendliche, die in Hamburg zur Schule gingen, nicht Nachfahren der damaligen Täter seien. 

Eine besondere, vielleicht noch nicht so bekannte Gedenkstätte ist die Israelitische Töchterschule im Karoviertel, nahe der Messehallen. 

Die Schule wurde 1884 auf private Initiative gegründet und richtete sich an Mädchen aus weniger wohlhalbenden Familien.

Die Ausstellung in ihren Räumen erzählt nicht ausschließlich von der Verfolgung im Nationalsozialismus, sondern vom jüdischen Alltagsleben in Hamburg, nicht allein von Jüdinnen und Juden, sondern auch von Frauen und Mädchen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Und davon, wie Bildung damals wichtiger wurde.

Sehen kann man hier noch den alten Fachraum für Chemie und Physik ( Foto1️ – 2️). 

Und die Turnhalle im Hof – dort sind heute die Räume des Israelitische Tempelverbands, der liberalen jüdischen Gemeinde von Hamburg (3️ – 4️).

Nach den Novemberpogromen im Jahr 1938 wurde allen jüdischen Kindern, die man noch nicht aus den staatlichen Schulen herausgedrängt hatte, der Schulbesuch verboten. 

Der Betrieb der privaten Israelitischen Töchterschule – die in ihren letzten Jahren auch Jungen besuchten – endete 1942. Danach wurden fast alle Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, die Hausmeisterfamilie und die Sekretärin der Schule deportiert und ermordet.

Ein besonderes Exponat ist die Schultasche von Erika Estes. Dass sie die alte Ledertasche – ebenso wie ihre Schulbücher – auf der Flucht aus Deutschland mitnahm und bis an ihr Lebensende behielt, lässt erahnen, welche Bedeutung diese Schule für sie gehabt haben muss (5️).

Karolinenstraße 35, Öffnungszeiten: Do., 14 - 17 h, So., 10 - 14 h. Eintritt frei. Trägerin der Gedenkstätte ist die @vhshamburg. taken in Karoviertel Hamburg by @realoskarpiegsa
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11 days ago
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Ich bin kein Riesenfan der Olchis (dieser grünen Männchen, die wie ungewaschene Außerirdische aussehen und sich auf Foto 1️ als Wagenladung Furzkissen präsentieren). Meine Kinder waren das zeitweise aber durchaus.

Sie sind nicht allein: Seit Erhard Dietl 1990 das erste Olchi-Buch veröffentlichte, wurden laut Verlag @medienhaus_oetinger rund 10 Millionen Bücher, CDs usw. verkauft. Es gab einen Kinofilm, und am Wochenende eröffnet in Ottensen, gegenüber vom @thaliatheater, die Olchis-Erlebniswelt (2️).
 
Es handelt sich um einen Indoor-Spielplatz, der digitale Projektionen mit körperlichen Aktivitäten verbindet. Man kann hier zum Beispiel einen virtuellen Fluss durch das Verschieben von analogen Bauklötzen umleiten und Bälle auf eine Leinwand mit beweglichen Zielen werfen.
 
Die Idee stammt von Julia Bielenberg, Oetinger-Verlegerin in dritter Generation. Sie habe eine »niedrige einstellige Millionensumme« in die Entwicklung investiert, sagte sie mir gestern.
  
Unter den 9- bis 11-Jährigen lesen nur noch jedes vierte Mädchen und jeder fünfte Junge täglich. Ist der digitale Toberaum ein Umschwenken auf neue Geschäftsfelder? Oder handelt es sich um Leseförderung?
 
»Es ist Leseförderung, definitiv«, sagte Bielenberg. »Unser Kern ist das Buch und wird es hoffentlich immer bleiben. Wir wissen ja, wie wichtig das Lesen ist, um an der Gesellschaft teilzuhaben.« 

Nachdem ich diesen Text heute morgen in ähnlicher Form in der »Elbvertiefung« veröffentlichte, dem Hamburg-Newsletter der @ZEIT, beschwerte sich eine Leserin, ich würde ein Angebot abfeiern, das mit 20+ Euro Eintritt viele ausschlösse.

Hm. Der Eintritt liegt im Rahmen von @portdeslumieres usw. Er ist teuer, das ist wahr. Man kann aber grob überschlagen, wie weit es für Oetinger noch bis zum Break-even ist. Schnelles Geld ist also nicht zu erwarten. 

Stattdessen geht eine Unternehmerin ins Risiko und probiert etwas Neues. Erklärtermaßen nicht als Pivotting weg vom Buch, sondern um das Buchgeschäft zu stärken.

Das scheint mir berichtenswert – umso mehr in einer Zeit, in der viele andere durch Sparmaßnahmen oder Wehklagen über Politik und Konjunktur auffallen.

#olchiserlebniswelt #dieolchis #oetingerverlag taken in Thalia Gaußstrasse by @realoskarpiegsa
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18 days ago
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In ihrem Memoir »Careless People« schreibt @sarahwynnwilliams über ihre Erlebnisse als leitende Mitarbeiterin im Meta-Konzern (bekannt für Facebook, Instagram und WhatsApp).

Die Konzernleitung war nicht begeistert, als das Buch 2025 erschien. Die Autorin sagt, sie sei mit Geldstrafen bedroht worden. Journalist•innen berichteten, Meta habe versucht, auf sie einzuwirken, das Buch nicht zu rezensieren. 

Das ist bemerkenswert für einen Konzern, der wieder und wieder behauptete, er stehe für Meinungsfreiheit.

Hätte Wynn-Williams Unwahres behauptet, wäre das Buch wohl nicht mehr im Handel. Eine frühere Kollegin, Brooke Oberwetter, stärkte der Autorin auf @linkedin den Rücken. Die Darstellungen seien, soweit sie es beurteilen könne, akkurat. Und: »Maybe more importantly, the vibe she captured is spot on. It was just all so juvenile.«

»Juvenile«, also kindisch, wirken in diesem Buch vor allem der Boss und die Bossin, Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg (die Meta inzwischen verlassen hat). 

Über Zuckerberg, der sich als zäher Alpha-Rüde inszeniert, heißt es in »Careless People«, sein Stab ließe ihn bei »Siedler von Catan« heimlich gewinnen, um ihn nicht zu kränken. 

Sandberg, die sich als Feministin positionierte, wirkt bei Wynn-Williams eher wie eine Egomanin.

Was das Buch lesenwert macht ist aber nicht der – Pardon – Gossip über den mangelnden Reifegrad einzelner Milliardär•innen, sondern die Einblicke in die Konzernstrategie.

Nach dem Börsengang am 18. Mai 2012 muss Facebook weiter wachsen. Muss, muss, muss! Sonst sind die Investor•innen weg, die den Betrieb am Laufen halten.

Die größte Chance für Wachstum liegt im Markteintritt in China, über den die autoritäre Regierung in Beijing entscheiden muss. 

Sarah Wynn-Williams zeichnet minutiös nach, zu welchen Kompromissen Meta bereit scheint, um die  Regierung für sich zu gewinnen (etwa in puncto Einschränkung der Meinungsfreiheit).

Die »sorglosen Leute« aus dem Titel sind Zuckerberg und Sandberg nicht, weil sie ihren Machtpositionen nicht gewachsen wären. 

Sondern, weil sie sich so verhalten, wie es wirtschaftlich begünstigt wird.

Die Probleme entstehen nicht, weil sie kindisch handeln, sondern rational. by @realoskarpiegsa
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22 days ago
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Welche Rolle spielt die Wissenschaft in der internationalen Politik? Das war die Frage gestern beim #Hamburgsciencesummit von @koerberstiftung und Wissenschaftsbehörde. 

Vier Thesen aus meinen Notizblock:

😵‍💫 It's complicated!

»Früher sorgten die USA für unsere Sicherheit, Russland für Energie, China für Nachfrage«, sagte Eva Nemela (Körber-Stiftung) zur Begrüßung. Tja.

Auch Bettina Rockenbach (Leopoldina) skizzierte in ihrer Festrede zunächst, was nicht mehr ist: Nach dem Kalten Krieg glaubte man an friedliche Zusammenarbeit und wachsende Vernetzung. Heute sei die Großmachtpolitik zurück. Willkommen im neuen 19. Jahrhundert!

»Wissenschaft und Technik zählen zu Europas wichtigsten Gütern«, sagte Rockenbach: Keine technische Souveränität ohne Wissenschaft, keine demokratische Stabilität ohne unabhängige Expertise.

Sie warnte aber davor, Forschung auf ihren Nutzwert zu verengen und warb für Zusammenarbeit, trotz allem. China sei Großmacht, Konkurrent, Rivale. Das mache Kooperationen nicht falsch, bloß komplizierter.

🐷 »Dual-use« is not a dirty word anymore

»Heute ist alles dual-use«, sagte Andrzej Szeptycki aus dem polnischen Wissenschaftsministerium. »Für Putin ist sogar die Geschichte ein Werkzeug für Aggressionen.«

Ein starker, aber falscher Satz: Geschichte ist für Faschos und Autokraten eine Waffe, weil sie gerade *nicht* wissenschaftlich mit ihr umgehen. 

Dennoch: Die Pol•innen und Balt•innen auf dem Summit sorgten für Realismus bzgl. Russland. Und »Dual-use« war in aller Munde, es ist ein neues Argument für Forschungsförderung. 

Deutlich wurde aber: Die Zusammenarbeit von Militär, Rüstungsunternehmen und Unis hakt. Es gibt kein eingespieltes Verfahren wie etwa in den USA.

🧐 Known Knowns grow from Known Unknowns

»Die Welt ist reich an Daten, aber arm an Fragen«, so Andrea Renda (Centre for European Policy Studies). 

Ähnlich Alessandra Colecchina (@the_oecd): »Du musst wissen, was du wissen willst.«

😘 Optimistisches Schlusswort

Sylvie Matelly (Institut Jacques Delors): »Wenn Wettbewerb zu Innovationen führt, ist Multipolarität eine gute Neuigkeit!«

📸 1–6: @torpedoknilch für die Körber-Stiftung /  7: mein Blick aus dem 7. OG. taken in Körber-Stiftung by @realoskarpiegsa
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a month ago
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Verblühte Landschaften 🥀

In Sachsen-Anhalt wählten 77,8 Prozent, das ist fast ein Rekord. Seit 1990 gab es nur in drei deutschen Landtagswahlen eine höhere Beteiligung, meldet die @tagesschau.

Nach dem Wahlsieg der AfD kam es zu spontanen Demos – nicht nur von Menschen, die sich jetzt um die Demokratie sorgen. Ein Freund musste letzte Woche wegen einer Privatsache nach Sachsen-Anhalt und erzählt, dass kurz hinter der Landesgrenze zwei Männer auf einer Autobahnbrücke standen und die Reichskriegsflagge schwenkten. 

Haben wir uns nicht danach gesehnt? Dass Menschen wählen gehen! Dass Politik wieder Leidenschaften freisetzt! Aber klar, in der Vorstellung sah das ganz anders aus.

Was ist passiert? Auftritt @antonjaegermm, Ideenhistoriker an der @oxford_uni. Sein Essayband »Hyperpolitics« (@versobooks, 2026) bietet auf 100 Seiten eine schnelle Orientierungshilfe.

Jäger schreibt: Nach 1989 war die Politik passé. Parteien, Gewerkschaften usw. schrumpften schon seit Längerem. Nun galt der »progressive-neoliberal consensus«: »Atomized citizens subscribe to meritocratic norms, attributing personal failure more to themselves than to politics«. 

Ab 2008 platzte in den Finanz- und Eurokrisen dieser post-politische Konsens. Es kam zu einer Repolitisierung jenseits der politischen Organisationen. Tea Party, Occupy und Indignados waren politisch, aber »anti-Politik«. 

Politics 🔜 Postpolitics 🔜 Antipolitics 🔜 Hyperpolitics. Heute sei (fast) alles politisch, aber (fast) niemand mehr in der Politik. 

Linke Versuche, von diesen Energien zu profitieren, erwiesen sich als Strohfeuer (Sanders, Corbyn, Tsipras), rechte als Erfolg (Trump, AfD usw.). 

Wieso? Vielleicht deshalb: »People are lonelier (...) but also more agitated; more atomized, but also more connected; angrier, yet more disoriented.« 

Die Vereinzelung begünstigt den Rechtsradikalisierung: Solidarische Bündnisse zu formen ist schwer, Zorn zu melken leicht.

Meine @ZEIT-Kollegin @anne.hng sagt, die AfD sei kein ostdeutsches Phänomen, sie werde bloß dadurch begünstigt, dass die Parteibindung im Osten noch geringer sei als im Westen.

Wenn Anne und Anton Recht behalten, war Sachsen-Anhalt nur der Anfang. by @realoskarpiegsa
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a month ago
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Die aktuelle Ausstellung im @kunstvereinhh wirkt auf den ersten Blick karg und streng. Beim zweiten Besuch von »A Nail to Hang the Day on« kippte meine Skepsis jedoch in leise Begeisterung. 

Deshalb schnell dieses Posting, denn die Laufzeit endet am 22. September 2026. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit für erste, zweite, dritte Chancen.

Diese Gruppenausstellung, kuratiert von @anthonyhhhhhhh und @milanterre, erzählt von Gebrauchsgegenständen, die sich verwandeln: Einige werden emotional aufgeladen, fast vermenschlicht. Andere erscheinen wie Zeugen vergangener Epochen. Wieder andere wirken fremd und unheimlich. 

Gemein ist ihnen allen, dass die Gegenstände über ihren Gebrauchswert (und ihre Austauschbarkeit) hinauswachsen und ein Eigenleben entwickeln. 

Drei Beispiele:

1 – @stephanie.saade sammelte in den Straßen von Beirut Kabel und Drähte. Sie sind nutzlos geworden, im Grunde: Elektroschrott. Saadé liest sie auf und formt ihnen identische Partner•innen, damit sie nicht mehr alleine sind. Diese Arbeit nennt sie »Logic remains« (2017).

2 – Niloufar Emamifar zeigt unter dem Titel »Cinema Anita« (2025) Wandpaneele, die sie in einem verlassenen Kino in Süditalien abmontiert hat. Kurator Milan Ther erzählte, dass solche Paneele mit dem Aufkommen des Tonfilms in alten Kinos nachgerüstet wurden, um die Akustik für die neue Zeit anzupassen. Inzwischen bezeugen die Bretter einen zweiten Medienwandel, das langsame Aussterben der Kinos.

3 – »Thames Water« (2016) von @nicolasdeshayes ist eine gusseiserne Plastik, die ihren Namen mit einem britischen Wasserversorger teilt. Sie wurde fest verbaut und könnte als Heizkörper fungieren. Die Heizung des Kunstvereins ist aber abgestellt. 😒 

Es gab wohl schon Ausstellungen, in denen »Thames Water« heizte. Ich stelle mir vor, dass man dann in die Räume eintritt, wie in die Eingeweide eines riesigen Organismus, und umgeben ist von wärmendem Gedärm. 

Es ist noch mehr zu sehen in »A Nail to Hang the Day on«, auch Arbeiten, die nicht so reduziert, sondern überbordend sind, etwa von Hanne Darboven, Anna Oppermann oder dem in der vergangenen Woche mit dem Edwin-Scharff-Preis der @bkm_hh geehrten Georges Adéagbo. taken in Kunstverein in Hamburg by @realoskarpiegsa
9
a month ago
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Im Museum wirkt es, als seien Kunstwerke für die Ewigkeit geschaffen. Im öffentlichen Raum – bei Regen, Wind und Eis – zeigt sich: Nein, dem ist nicht so. Stahl rostet, Spritzbeton bröckelt, Elektronik versagt, Plexiglasbuchstaben stürzen von Eisenbahnbrücken.
 
Gelegentlich gehen Werke sogar verloren. Nicht unbedingt durch Diebe, sondern durch Abrissbagger. So war es bei Franz Erhard Walther. Vor rund 40 Jahren ließ Walther – 2017 als bester Künstler der Biennale in Venedig ausgezeichnet – Stahlplatten in der Innenstadt verlegen, die »Sieben Orte für Hamburg«.
 
Dabei handelt es sich um Kunst, die man betreten darf, die Platten bilden kleine Aussichtspunkte in den Alltag. Auf jeder steht ein anderes Wort: »Zeit« liegt an der Binnenalster. »Ort« vor der @hamburger.kunsthalle. »Richtung« befand sich vor den Hochhäusern des City-Hofs, nahe des Hauptbahnhofs. Dann wurde der City-Hof abgerissen und die Stahlplatte verschwand.
 
Immerhin: Sie war nicht verschrottet, sondern von der @bkm_hh gesichert worden, und lag nun in einer Halle auf der Veddel. Es gab jedoch ein Problem, denn auf der Fläche des City-Hofs stand ein größerer Neubau, das Johann-Kontor. Der alte Standort war überbaut. Was sollte man tun? Am besten: den Künstler fragen!
 
»Ich kenne Walther noch aus meinem Kunststudium«, sagt @markus.lohmann.70, der Kunstwerke im öffentlichen Raum saniert. Also schrieb er ihm einen Brief. Gemeinsam mit der zuständigen Referentin in der Kulturbehörde schlug Lohmann einen neuen Standort vor. Walther ist inzwischen 87 Jahre alt, doch er stieg in seinem Wohnort Fulda in einen ICE nach Hamburg, um den Vorschlag zu prüfen. »Er schaute auf die Straße, studierte Luftbilder und Verbindungsachsen, dann hat er den neuen Standort ausgewählt«, sagt Lohmann. 
 
Heute befindet sich »Richtung« am Deichtorplatz, vor dem südlichen Ende des Johann-Kontor. Neulich stand ich auf der neu verlegten Platte und blickte auf den @kunstvereinhh, die @deichtorhallenhamburg sowie die »Pflanzeninseln« von Tita Giese, die ebenfalls von Markus Lohmann aufgefrischt worden sind. Ich dachte: In diese Richtung könnte es weitergehen!

#kunstimöffentlichenraum
#franzerhardwalther
#siebenortefürhamburg taken in Hamburg, Germany by @realoskarpiegsa
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a month ago
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