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Dokumente des Vegetarismus
#vegetarianhistory #vegetarismusgeschichte
Schwesternseite @tierschnipsel
📍Zurich, Switzerland 🇨🇭
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Im Kochbuch des Naturisten Nicolàs Capo findet sich ein interessantes Kapitel: "Die Frau und die Küche", worin er die Frauenemanzipation begrüsst und sie durch die vegetarische Ernährung gestärkt sieht: "Und wenn wir von dieser wirklichen Evolution sprechen, dann meinen wir den gigantischen Fortschritt, den der Rohkostvegetarismus jeden Tag macht, zum Wohle der Menschheit im Allgemeinen, aber besonders für die Frauen und die zukünftige Generation."
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Lassen wir ihn ausführlicher zu Wort kommen (Übersetzung aus dem Spanischen, Originaltext gern auf Anfrage):
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"Die Frauen befreien sich aus dem Gefängnis von Feuer und Fett, aus der heuchlerischen Zelle namens Küche. Seneca sagte, die Küche sei ein schlechtes Gebäude. Die neue trophologische Wissenschaft zeigt auf, wie man die rohen Lebensmittel, die uns die Natur zu jeder Jahreszeit schenkt, essen kann; welche Mengen an nährenden und stärkenden Elementen in Früchten, getrockneten Wurzeln und Salaten, Honig und Öl enthalten sind, und dass sie, wenn man sie roh mit ihren reichen und lebendigen Vitaminen isst, für den Verdauungsapparat und das assimilative System des Menschen besser nutzbar sind. […] und durch den Verzehr von nahrhaftem Obst nur in Kombination mit etwas geröstetem Brot oder Bananen arbeiten Frauen heute kaum noch in der Küche, sie verbringen nicht mehr Stunden und Tage mit dem Kochen von leichenhaltigen und giftigen Speisen und haben daher mehr freie Stunden zum Lernen und um sich mehr Freiheit und Unabhängigkeit zu schaffen.
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Töten wir also nicht unsere Nahrung, sondern essen wir lebendige Nahrung, die uns Leben und Kraft, Glück und Frieden schenkt, indem sie die Krankheiten abwehrt, die täglich durch das Kochen begünstigt werden. Lasst uns nicht unsere Nahrung töten, sondern die Küche, deren Tod die Frau lebendig machen wird. Die totale Emanzipation der Frau muss mit der Befreiung von der falschen Ernährung beginnen: Lasst uns die rohen und nahrhaften Nahrungsmittel essen, die gut kombiniert sind, aber von dem einzigen alchemistischen Koch gekocht werden, der die meiste Erfahrung mit Eintöpfen hat: der Sonne." Mehr in den Kommentaren. by @docuveg
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4 years ago
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Die Nährmittelfabrik Karl Fr.(iedrich) Töllner in Bremen stellte schon um 1910 ein "vegetabilisches", also vegetarisches oder sogar veganes "Ei" her. Es sollte vor allem Haushaltskosten senken und Lücken in der Versorgung mit Hühnereiern schliessen, denn "Eine Konservierung frischer Eier während der Monate niedrigen Preisstandes wird zwar vielfach geübt, aber mit dem Resultate hapert es doch in vielen Fällen. Der Bezug von Eiern aus Gegenden mit reichlicher Produktion ist wegen der Zerbrechlichkeit der Ware nur selten lohnend. Hat man Gelegenheit, selbst einen Stamm Hühner halten zu können, so versagt ihre Legetätigkeit gewöhnlich gerade zu einer Zeit, in der man im Haushalte gern einmal einige Eier mehr verwenden möchte."[1]

Die eigens herausgegebene Werbebroschüre gibt Auskunft über Beschaffenheit und Verfügbarkeit des Eiersatzes: "Es ist ein gelbliches Pulver, ohne Geruch und von milde salzigem Geschmack und überall in handlichen Versuchspäckchen für 10 Pfg. zu haben. Der Inhalt jedes Päckchens entspricht dem Nährwert von etwas vier Eiweiß, sowie dem Färbewert von 16 Eidottern. [...] Bekanntlich kommen die Eiweißkörper (Albumine) nicht nur im Tierreiche (in den Eiern, im Blut usw.) vor, sondern, wenn auch im Vergleiche zum Gesamtgewicht der Trockensubstanz in geringerer Menge, im Pflanzenkörper, besonders in den Hülsenfrüchten und Getreide. Das hieraus hergestellte Pflanzeneiweiß entspricht in seiner Zusammensetzung, wie auch in seinem Nährwert völlig dem aus Hühneiern gewonnenen Trockeneiweiß. Von letzterem sind im Weißen eines Hühnereis etwa 2½ Gramm enthalten. Die gleiche Menge Pflanzeneiweiß finden wir aber in einem Teelöffel voll des „Vegetabilischen Ei“, mithin entspricht ein Päckchen davon, das vier Teelöffel füllt, dem Eiweiß von vier Hühnereiern an Nährwert voll und ganz." [2]

Neben der Ei-Alternative stellte die Firma u.a. noch "Tanagrine, ein rein vegetabilisches Geléeextract in verschiedenen Geschmackssorten" her. Ob die beiden Produkte in der vegetarischen Presse besprochen oder sogar angepriesen wurden, weiss ich noch nicht, werde aber nach Inseraten und Erwähnungen Ausschau halten. Hinweise sind wie immer sehr willkommen. Danke euch! by @docuveg
6
4 years ago
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Von medizinischer Seite geäußerte Kritik am Vegetarismus fiel nicht immer freundlich aus; die Angst um die Gesundheit der Mitmenschen und auch der ungewohnte Widerspruch gegen ärztliche Ernährungsempfehlungen produzierten mitunter heftige Gegenrede. Die Ansichten des Zürcher Arztes Dr. Loetscher als Antwort auf einen vegetarismusfreundlichen Artikel in der Zeitschrift "Am häuslichen Herd" möchte ich euch nicht vorenthalten (aus Platzgründen nur auszugsweise, meldet euch gerne für den gesamten Text).
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"Und ist es nicht eine arge, lächerliche Zumutung an den klinischen Lehrer am Krankenbett, solche sektenartige vegetarianische Hirngespinste als „alleinseligmachende“ Wissenschaft (?) dem angehenden Arzte vorzutragen und ihn nachher mit dieser Pseudo-Weisheit „auf’s Publikum loszulassen“. Daß Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte selbstverständlich auch die Milch und Milchprodukte, die Genußmittel Kaffee und Tee geringschätzig beurteilt und möglichst aus der Volkskost verbannt werden, dafür „die Früchte des Gartens und des Feldes“, selbst ungekocht, aufgetischt werden sollten, ist doch der reinste Hohn auf alle menschliche Kultur! Resultate solcher „viehartigen“ Lebensweise kommen allerdings hie und da dem Arzte zu Gesicht, vegetarianisch mißhandelte Schemen, an tödlicher Erschöpfung leidend, die aber nach wenigen Tagen gemischter vernünftiger Ernährung Kilos an Körpergewicht zunehmen und wieder gesunde, lebens- und arbeitsfreudige Menschen werden.[...]
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Selbst ein ausgesprochener Alkoholgegner wie Prof. Bunge schätzt das Fleisch als Nahrungsmittel sehr hoch, ja sogar als vorzügliches Genußmittel im Bunde mit Tee, Kaffee und Tabak. Zu viel Eiweiß in der Nahrung und zu viel Genußmittel sind selbstverständlich ungesund, so gut wie zu viel Fett, Stärkemehl, Zucker und Nährsalze, aber noch schädlicher als ein „zu viel“, eine „Unmasse“ von Cellulose (Holzstoff), wie z.B. im Schrotbrot, Grahambrot, Diätbrot oder „Kraftbrot“, wie es die Kunstvegetarianer selbstgefällig heißen, enthalten ist, allerdings zur Düngerfabrikation sich vorzüglich eignend oder, wie das naive Publikum meint die Verdauung“, d.h. den Stuhlgang fördernd. [...]" Weiter in den Kommentaren. by @docuveg
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5 years ago
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Da vegetarisch ernährte Kinder als kränklich und schwach galten, wurden häufig Fotos des Vegi-Nachwuchses als Gegenbeweis publiziert; so auch auf dieser von Karl Lentze herausgegebenen Werbekarte aus dem Jahr 1905. Zusätzlich zum Bild bestätigte ein Mediziner die Vorteile der Lebensweise. Ob es sich bei ihm um Dr. Magnus Hirschfeld handelte, ist mir nicht bekannt. Es wäre möglich, er arbeitete zwischen 1896 und 1910 in einer Praxis in Charlottenburg. Hinweise zu den abgebildeten Kindern fehlen. Der Text der Karte:
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„Vegetarier-Kinder“. Vater lebt seit 25, Mutter seit 10 Jahren vegetarisch 
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Ärztliches Attest. lch bezeuge gern, dass ich als Arzt in Vegetarier-Familien vielfach Kinder vor, während und nach der Schulzeit zu beobachten Gelegenheit hatte. Ich habe mich überzeugt, dass diese Kinder bei jahrelanger vegetarischer Kost nicht nur keine gesundheitlichen Nachteile hatten, sondern körperlich und geistig vortrefflich gediehen. Ich konnte mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Vegetarierkinder den gefürchteten Kinderkrankheiten wie Scharlach, Diphtherie etc. eine grössere Widerstandsfähigkeit entgegen zu setzen in der Lage waren als solche Kinder, welche reichlich Fleisch und alkoholische Getränke erhielten. 
Dr. med. Hirschfeld, Charlottenburg. 
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#vegetarismusgeschichte #vegetarianhistory #docuveg #vegigeschichte #vegetarischekinder #veganhistory #magnushirschfeld by @docuveg
10
5 years ago
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Wer vegetarisch lebt, durfte sich schon immer Spott gefallen lassen, doch wenn eine Karikatur so wohlwollend ausfiel wie hier, war das sicher zu verkraften. Francisque Sarcey war französischer Theaterkritiker, Schriftsteller, Journalist – und Vegetarier. Er wurde mehr geliebt als gefürchtet und wegen seiner Gutmütigkeit auch L'oncle genannt. Seine Lebensweise war ein gefundenes Fressen; so berichtet die französische Wikipedia von einem Karnevalsumzug 1898, auf der er von einer kostümierten Person „eingesperrt in einem goldenen Käfig mit Gemüsepyramiden“ dargestellt wurde. Er nahm es, ganz der freundliche Onkel, locker: „Ich habe Neffen, die viel Humor haben.“
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Der Spruch zur „Riesenbaby im Kohlfeld“ auf dem Titel der Zeitschrift „Le Rire“ lautet:

« Que j’eusse aimé connaître
Le chou qui m’a vu naître
Je l’aurais tant aimé 
(Farci !)
Mon joli chou pommé ! »
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Ob die Karikatur auch ein Seitenhieb auf die Zeitung „Le Temps“ war, für die Sarcey über 30 Jahre lang Kritiken verfasste, weiss ich nicht, dafür kenne ich mich zu wenig in der französischen Medienlandschaft aus – denkbar wäre es.
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Karikatur von Charles Lucien Léandre, veröffentlicht auf dem Titelbild der Zeitschrift „Le Rire – Journal paraissant le samedi“, No 161 vom 4.12.1897. Zitat aus der frz. Wikipedia: https://fr.wikipedia.org/wiki/Francisque_Sarcey#cite_note-15
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5 years ago
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Mandel- und andere Pflanzenmilch gilt gemeinhin als neumodisch und künstlich; doch dass weder das eine noch das andere zutreffen muss, zeigt dieses Rezept aus dem Jahr 1904. Die meisten älteren Zubereitungsarten basieren auf Kuhmilch mit lediglich zugesetzen gemahlenen Mandeln - doch Ida Spühler zeigt in ihrem Reform-Kochbuch bereits eine vegane Variante. Doch Achtung beim Nachkochen: Bittermandeln sind roh giftig und dürfen keinesfalls ungekocht verzehrt werden. Die Milch unbedingt abkochen oder noch besser die bitteren durch süsse Mandeln ersetzen.

Ida Spühlers Kochbuch erschien in vier Auflagen von 1904-1915, ausserdem ein verkürzes "Kleines Reform-Kochbuch" mit den besten 100 Rezepten und 50 Speisezetteln (statt 1000). Die Autorin lebte und veröffentlichte in Zürich und kochte nach eigenener Aussage seit 1894 in einer "zahlreichen Haushaltung" fleisch- und alkoholfrei. Bisher habe ich noch nicht mehr über sie in Erfahrung bringen können, weswegen mich jeder Hinweis freut!

Bildquelle: Ida Spühler; Reformkochbuch oder Wie koche ich ohne Fleisch und Alkohol, Verlag von Fäsi & Beer, Zürich 1904, S.167

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5 years ago
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Willkommen! Es freut mich, dass Du hier vorbeischaust. Bald finden sich hier verschiedene "Dokumente des Vegetarismus" aus meiner Sammlung. Mögen sie dem/der einen oder anderen bei Recherchen hilfreich sein oder einfach Spass machen. 

Welcome! Nice to see you here. Soon here you will find "Documents of Vegetarianism" from my collection. May they be helpful to one or the other in research or just be fun. 

Bildquelle: Walter Hammer [d.i. Walter Hösterey]; Dokumente des Vegetarismus I. Band, Verlag Zentrale für Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig 1914.

#veganhistory #eduardbaltzer #vegetarianhistory #vegetarismusgeschichte #docuveg #vegigeschichte #firstpostoninstagram #ersterpost #ersterpostaufinstagram #walterhösterey Titelbild Dokumente des Vegetarismus by @docuveg
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5 years ago
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